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GORZÓW WIELKOPOLSKI

(Landsberg/Warthe)

Lage

Gorzów Wielkopolski (Landsberg/Warthe) ist die größte Stadt der Wojewodschaft Lebus und die "heimliche Hauptstadt" der polnischen Neumark. Die Großstadt hat fast 130.000 Einwohner und liegt an der Einmündung der Kladow (Kladowa) in die Warta (Warthe). Im Norden und Süden befindet sich Wald.

Geschichte

Landisberch Nova (Neu-Landsberg) nannte man den Ort bis in das 16. Jahrhundert in Anlehnung an das östlich Berlins liegende Alt-Landsberg. Er wurde 1257 von Siedlern aus Brandenburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gegründet und diente als Grenzbefestigung gegen die nahegelegene polnische Grenzsiedlung Santok (Zantoch). Wie die Stadt Rom wurde er auf 7 Hügeln errichtet. Ab 1321 wurde die Stadt mit Toren und Stadtmauern umgeben. 1433 wurde die Stadt von den Hussiten belagert und der dreißigjährige Krieg verschonte auch Landsberg nicht, dabei wurden die außerhalb der Mauern liegenden Vorstädte vernichtet und die Stadt durch Schweden besetzt. Nach dem Krieg entwickelte sich Landsberg jedoch schnell zu einem bedeutenden Handelsplatz mit dem damals benachbarten Polen und erlangte Reichtum und Bedeutung.

Zahlreiche Firmen etablierten sich. Im 19. Jahrhundert kam es zu einer Industrialisierung, die durch den Anschluss an die Preussische Ostbahn im Jahre 1857 noch verstärkt wurde. Maschinen- und Holzverarbeitungsindustrie, Kabel- und Netzfabriken sowie Lebensmittelindustrie, Brauereien und Mühlen siedelten sich an, im 20. Jahrhundert auch chemische Industrie.

Ab Ende des 19. Jahrhunderts bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts legte man zahlreiche Parkanlagen an. Die Stadt erhielt wegen dieser großzügigen Anlagen bald den Beinamen "Parkstadt des Ostens". Seit 1899 gibt es eine elektrische Straßenbahn in der Stadt (die heute übrigens mit zahlreichen früher in der deutschen Stadt Kassel eingesetzten Straßenbahnwagen betrieben wird).

Die Stadt, die während des 2. Weltkrieges fast völlig unzerstört blieb, wurde im Januar 1945 umso härter von diesem getroffen: sich zurückziehende deutsche Truppen sprengten die Brücken und die kampflos an die sowjetische Armee übergebene Altstadt wurde durch Brandstiftung zerstört und geplündert. Am 30. Januar 1945 wurde das deutsche Landsberg zum polnischen Gorzów. Die letzten deutschen Einwohner, so nicht bereits infolge der Kriegsereignisse geflohen, mussten die Stadt bis 1949 verlassen. In Gorzow wurden überwiegend Menschen aus der polnischen Region Großpolen (Wielkopolski) angesiedelt. Seit den 60er Jahren entwickelt sich Gorzów zur modernen Stadt, es wurden große Neubaugebiete errichtet und im Jahre 1979 wurde die Einwohnerzahl von 100.000 überschritten.

Heute

Die Sehenswürdigkeiten sind sehr vielgestaltig. Beginnend mit der großen Kathedrale bis hin zu den vielen kleinen Denkmälern und den zahlreichen schönen Parks bis hin zum Stadtmuseum finden sich zahlreiche interessante Plätze. Für uns ist aber die Stadt selbst die Sehenswürdigkeit. Zahlreiche alte Bürgerhäuser (einige schon saniert und viele noch auf eine Sanierung wartend), die wunderschöne Warthepromenade, die sanierte Stadtmauer, Gorzów Wielkopolski (Landsberg/Warthe) bietet viele schöne Augenblicke und Einblicke in das moderne polnische städtische Leben und die untergegangene deutsche Stadtgeschichte.

Eine Fahrt mit der alten Straßenbahn ist ein Erlebnis an sich, bei dem man sich in die siebziger Jahre versetzt fühlt; ein Frühstück auf dem an der Warthe liegenden Bootsrestaurant (leider nicht immer da) wird unvergesslich bleiben. Aber auch die modernen Vergnügungen kommen nicht zu kurz. Mehrere hochmoderne Shoppingkomplexe, die denen in Westeuropa in nichts nachstehen, laden zum Einkaufen ein und auch die Gastronomie macht Fortschritte, wenngleich auch hier wie im restlichen Europas der ungesunde Trend zum Fastfood zu bemerken ist. Ein hervorragendes Sportzentrum lädt jedoch auch hier zur Betätigung ein.
Warthepromenade - Die Warthepromenade mit ihrem fast südländischen Flair ist wohl der schönste Platz der Stadt. Hier kann man entlang der Warthe bummeln, ein Eis essen, sich auf den Stufen der Terassen niederlassen und den Blick über den Fluss schweifen lassen. Leider vermisst man (derzeit noch) jegliche Form von touristischer Passagierschifffahrt, hier wären kleine Dampfer a la "Weisse Flotte" durchaus vorstellbar und bestimmt perspektivisch auch profitabel. Über der Promenade thront der polnische Adler auf dem Denkmal für die polnischen Pioniertruppen im 2. Weltkrieg.
Info-Globe - Wenn Sie über die alte Warthebrücke gehen, entdecken Sie am anderen Ende ein futuristisches Gebäude, mit dem die Stadtväter deutlich zeigen, daß Gorzow auf dem Weg ins 21. Jahrhundert ist. Der sogenannte "Info-Globe2 ist Informations-, Ausstellungs- und Aussichtspunkt in Einem. Besonders empfehlenswert ist der Aufstieg auf die Aussichtsplattform (Schlüssel ggf. beim Wachdienst im Untergeschoß), von der man eine herrliche Aussicht auf die Warthe, die Stadt und das nahegelegene Stadtmuseum im alten Speicher hat. Auf den Flächen hinter dem Info-Globe sollen Einkaufs- und Ausstellungsgebäude entstehen, für deren moderne Architektur der Info-Globe bloß ein Vorgeschmack ist.
Stadtmuseum im alten Speicher - Gleich beim Info-Globe finden Sie einen alten Speicher aus dem dem Jahr 1798, der zum Museum ausgebaut worden ist und dessen Inneres zahlreiche Ausstellungsstücke zur Stadtgeschichte und und moderne Kunst enthält. Vor dem Museum finden Sie Teile einer großen Dampfmaschine, für deren Fertigung die Stadt im 19. und angehenden 20. Jhdt. berühmt war. Gleich daneben sieht man auch den Sockel des leider zerstörten Denkmals für den Landsberger Ehrenbürger und Maschinenfabrikanten Paucksch, der neben zahlreichen sozialen Einrichtungen der Stadt auch den Pauckschbrunnen stiftete.
Pauckschbrunnen - Auf dem Alten Marktplatz befindet sich der sog. Pauckschbrunnen (allerdings bloss als Replik), ein Springbrunnen, der im 19. Jhdt. von dem Landsberger Ehrenbürger und Fabrikanten Paucksch gestiftet wurde. Die Figuren zeigen die Quellen des einstigen Wohlstandes der Stadt: ein Junge mit Hammer - Symbol für die zahlreichen Maschinenfabriken, ein Mädchen mit Boot steht für die einstige Handelsschifffahrt auf der Warthe, ein weiteres Mädchen mit Angel steht für den damals florierenden Fischfang. Die Hauptfigur, eine wassertragende Frau steht als Symbol für den Fleiß der Landsberger Bürger. Hermann Paucksch besaß eine Dampfkesselfabrik, die über die Stadt hinaus in ganz Deutschland bekannt war.
Altes Stadtwappen in der Sikorskistraße - In der Sikorskistraße kann man gegenüber dem Stadthaus (Verwaltung) das alte Landsberger Stadtwappen besichtigen. Es ist in einen großen Stein gemeisselt, der einst an der alten Warthebrücke befestigt war und nach dem Krieg aus der Warthe geborgen wurde.
Allee der Gorzower Berühmtheiten - Direkt neben dem Pauckschbrunnen befindet sich die sog. Allee der Gorzower Berühmtheiten. Aufpassen, man kann sie leicht übersehen, denn sie besteht nur aus in den Boden des Marktplatzes eingelassenen Gedenktafeln für bedeutende Gorzower Künstler und Wissenschaftler der Nachkriegszeit, leider meist in Deutschland nur wenig bekannte Personen. Allgemein ist zu sagen, dass man in Gorzow ungewöhnlich stark versucht, Personen und Persönlichkeiten durch Denkmäler zu ehren. So finden sich zahlreiche Denkmäler und Skulpturen mehr oder minder bekannter Personen an zahlreichen Plätzen der Stadt. Aber nicht nur Menschen, die großes vollbracht haben, werden geehrt, sondern man setzte hier z.B. auch einem stadtbekannten Clochard ein Denkmal (Sikorski Str. 111, gleich neben dem Einkaufszentrum), ein sympathischer Zug der Stadt. Der aufmerksame Stadtspaziergänger findet das Bildnis eines lokalen Speedway-Siegers, einer Zigeunerpoetin und weiterer stadtgeschichtlich bedeutender Personen. Zunehmend werden auch Personen der deutschen Vergangenheit geehrt, unterstützt von einem Verein ehemaliger deutscher Bürger der Stadt.
Hexenbrunnen und Sfinster - In der Altstadt kann man den sog. Hexenbrunnen besichtigen, hier sollen sich im Mittelalter Frauen getroffen haben, die der Hexerei verdächtigt wurden. Wer eine kleine Münze in den Brunnen wirft, kann sich etwas wünschen ;-) Mit mythischen Gestalten kann Gorzow Wielkopolski (Landsberg/Warthe) auch sonst dienen, z.B. mit der großen Statue des Sfinster, einer Märchengestalt.
Park Róz (Rosenpark) - Der inmitten der Stadt gelegene Park ist einer der schönsten Orte der Stadt. Durchflossen von dem Flüsschen Klodawka und versehen mit einem Ententeich bietet er Ruhe und Erholung und eine malerische Atmosphäre (auch ein schöner Kinderspielplatz ist hier). Beachtenswert die naturgeschützten seltenen Eichen und das wirklich zauberhafte Nymphendenkmal.
Stadtmauern und Wehranlagen - Direkt im Stadtzentrum sind Teile der historischen Befestigungsanlagen erhalten, welche aus dem 14. Jahrhundert stammen. In der über vier Meter hohen und 130 m langen Mauer sind noch heute vier Wiecktürme aus Feld- und Backsteinen erkennbar.
Dom St. Marien - Der Dom ist das bedeutendste historische Baudenkmal der Stadt. Die dreischiffige, römisch-katholische Kirche wurde im 13. Jhdt. im gotischen Stil erbaut. Sehenswert ist der Renaissancealtar aus dem 16. Jhdt., der als einziger von einstmals 17 (!) übriggeblieben ist. Der Turm aus dem 15. Jahrhundert ist 52 Meter hoch und kann erstiegen werden (schöner Blick auf die Stadt). Sehenswert ist auch die Kirchtür, die voller Nägel ist: Diese wurden von den Landsberger Bürgern, die das Glück hatten, nicht als Soldaten in den Ersten Weltkrieg ziehen zu müssen, als Beleg für eine zum Ausgleich geleistete monetäre Kriegsspende eingeschlagen.

Interessante Punkte im Ort:

Gorzów Wielkopolski (Landsberg/Warthe)

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Entdeckungen am Wartheufer: Stadtspaziergang in Gorzów Wielkopolski (Landsberg/Warthe)

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Dom Maria Himmelfahrt in Gorzów Wielkopolski (Landsberg/Warthe)

Die dreischiffige, römisch-katholische Kirche wurde im 13. Jhdt. im gotischen Stil erbaut. Der Turm aus dem 15. Jahrhundert
Heilige Messe: Sonntag: 6:00, 7:30, 9:00, 10:30, 12:00, 13:30, 15:00, 18:00, 19:30, uhr. andere Tage: 7:00, 8:00, 18:00
Anreise → Die Kirche ist im Zentrum des Stadt.
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Das Lebuser Museum in Gorzów Wielkopolski (Landsberg/Warthe)

Das Lebuser Museum befindet sich in der wunderschönen Gründerzeitvilla des deutschen Fabrikanten Gustav Schröder, die für sich alleine schon sehr sehenswert ist. Hier wird anhand einer originalgetreuen Einrichtung sichtbar, wie die Oberschicht zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebte. Diverse Ausstellungsstücke, Gemälde, eine Münzsammlung und die im angrenzenden Park ausgestellten Kunstwerke und Exponate der Vergangenheit wie z.B. historische Grabsteine machen einen Besuch wirklich empfehlenswert.
Ul. Warszawska 35, Gorzow Wielkopolski, Webseite: http://www.muzeumlubuskie.pl
Anreise → Wenn Sie auf der Ul. Warszawska durch Gorzów Wielkopolski (Landsberg/Warthe) fahren, dann befindet sich das Museum auf einem kleinen Hügel links.
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Christus-König-Pfarrkirche in Gorzów Wielkopolski (Landsberg/Warthe)

Die Kirche wurde als Martin-Luther-Kirche 1930 errichtet und fällt durch den kreisrunden Bau und den zeitgenössischen Turm auf.
Heilige Messe: am Sonntag 8:00, 9:30, 11:00, 12:30, 6:00 Uhr
Anreise → Die Kirche befindet sich auf der südlichen Wartheseite. Überqueren Sie den Fluß an der großen Warthebrücke, dann halten Sie sich links und werden nach einigen hundert Metern rechts den Kirchturm sehen.
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Gebäude des Volksbades in Gorzów Wielkopolski (Landsberg/Warthe)

Ein echtes architektonisches Highlight ist das Gebäude des Volksbades, das 1928 bis 1930 auf Anregung des Landsberger Unternehmers Max Bahr errichtet wurde. Seit einiger Zeit wird der "Vater des Volksbades" mit einer Büste in der Lobby des Gebäudes geehrt. Das Gebäude wurde glücklicherweise seit seinem Bau wenig verändert.
Anreise → Wenn Sie sich im Zentrum von Gorzów Wielkopolski (Landsberg/Warthe) an der Kathedrale befinden, bewegen Sie sich in Richtung des Hochhauses. Direkt dahinter verläuft quer eine Straße, an der Sie das Volksbad entdecken.
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